Il Divo betreiben (k)ein böses Spiel
Legen Wert auf gepflegte Töne und ebensolches Outfit: Il Divo
Seit 2004 räumen die Herren des Klassik-Crossover Quartetts Il Divo so richtig ab: 25 Millionen verkaufte Alben, 150 Gold- und Platin-Auszeichnungen, über zwei Millionen Konzertbesucher und das einzige Klassik-Crossover-Album, das jemals die Spitze der US Charts erreichte («Ancora», 2006) zeugen vom Riesenerfolg der Sangestruppe.
Jetzt ist also ihr neues Album auf dem Weg an die Spitze. «Wicked Game» heisst das Werk, benannt nach dem Welthit von Chris Isaak. Angesichts der Tatsache, dass wicked game «böses Spiel» bedeutet, verwundert die Wahl des Titels doch einigermassen. Gaben sich Il Divo doch bis anhin - auch optisch - ziemlich brav, stromlinienförmig und knitterfrei.
Und jetzt? Wird mit dem neuen Album alles anders, «gefährlich» gar?
Alles halb so wild, wie Urs Bühler im Interview erzählt. Man wollte halt mal etwas anderes ausprobieren, sich weiterentwickeln. Und nur, weil man jetzt die Designeranzüge gegen ein etwas legereres, aber immer noch sehr gepflegtes Outfit getauscht habe, heisse das noch nicht, dass man seine Identität verleugne. Die Musik komme auf dem neuen Album einfach reicher, tiefer und dramatischer daher.
«Wenn wir die Leute dazu verführen, sich mit «richtiger» Klassik auseinanderzusetzen, freut uns das»
Klassikpuristen und gestandene Opernfans rümpfen gern die Nase, wenn von Il Divo die Rede. Das kann Bühler einerseits verstehen, findet es aber insofern auch etwas befremdlich, weil das Quartett ja gar nicht vorgebe, grosse Oper zu machen. Die Musik von Il Divo sei viel einfacher zu konsumieren als die grossen klassischen Werke.
Aber vielleicht komme durch Il Divo der eine oder die andere auf den Geschmack und beginne, sich mit «richtiger» Klassik zu befassen. Und er gibt auch gleich Tipps, wie sich Anfänger am besten verhalten und anziehen, wenn sie erstmals in die Oper oder ins Symphoniekonzert gehen.
Der Knigge-Test
Ob sich der Tenor auch sonst auf gehobenem gesellschaftlichen Parkett gekonnt zu verhalten weiss, wollte Nik Thomi auch wissen und hat mit Bühler deshalb einen gestrengen Knigge-Test gemacht.
Wie er sich dabei geschlagen hat, welche Pop Songs sich für klassische Interpretationen eignen und was es mit Bühlers John Deer-Traktor auf sich hat, hört ihr hier im ganzen Interview:
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